März 8

Off Topic am Anti-Patriarchat-Tag (aka Weltfrauentag)

Bei Facebook geisterte heute dieses Spruchbild rum. Ich hab’s viermal überscrollt, aber es war Abend, meine Gegenwehr gering und dann musste ich eben doch noch was formulieren. Und weil ichs gut fand, das aber da wohl nur drei Leute sehen werden (und ich außerdem mal wieder Content Content Content brauche), veröffentliche ich meine Antwort jetzt auch hier.

Ich reiche somit also meinen kleinen verbaler Blumenstrauß an alle Männer da draußen. Happy Anti-Patriarchat-Tag uns und euch allen!

“Als Mutter, Frau und Freundin”, das sind alles drei Dinge, die die Beziehung einer weiblich gelesenen Person zu einem Mann beschreiben (das Gedicht liest sich zumindest, als ob es an heterosexuelle Partnerschaften, genauer gesagt an Männer gerichtet ist). Es geht aber nicht darum, was Frauen FÜR Männer sind. Ich will nicht von Männern nur als potentielle Mutter oder Freundin gesehen werden. Ich möchte bitte von einem Mann auf Augenhöhe empfunden werden, ohne, dass ich für ihn irgendwie einen Nutzen oder eine Beziehung habe. Ein Pferd bin ich übrigens auch nicht.

Im Idealfall darum bitte auch nicht “ehren”, sondern einfach auf Augenhöhe behandeln. Wenn mich jemand “ehrt”, sagt er mir: “Ich habe die Macht zu entscheiden, ob ich dich ehre oder auf dich herunter sehe”. Das macht wieder den Mann zum Aktiven und Entscheider und er stellt sich über mich, auch wenn er meint, er hebt mich hoch.

Was aber toll ist und was schöne Aufforderungen an Männer sein können (Liste unvollständig):

Helft mit, dafür zu sorgen, dass alles etwas gleicher wird. Geht in Elternzeit, richtige, nicht zwei Monate, auch wenn ihr mehr verdient als die Frau.

Tretet in Männerdomänen mal zurück, wenn euren Job auch eine Frau machen könnte (und ich meine einen Job, den ihr eigentlich wirklich gern wollt, z.B. in der Lokalpolitik, im Sportverein, im Schützenverein).

Apropros Schützenverein: Tretet dafür ein, dass Frauen mitmachen dürfen. Seid aktiver Verbündeter und nicht nur Zustimmer im Hintergrund, während sie vorne den Kampf hat. Arbeitet von selber aktiv daran, dass Frauen mitmachen dürfen, selbst wenn euch noch nie eine Frau darum gebeten hat. Es geht um die Möglichkeit, mitzumachen. Gleich zu sein.

Logische nächste Konsequenz: Haltet es aus, vor euren Kumpels als Spaßbremse oder Spielverderber dazustehen. Lacht nicht mit beim nächsten Witz über das Gewicht einer Frau oder “irgendwas mit Küche”. Stimmt nicht eurem Kumpel zu, der meint, xy soll sich nicht so anstellen, obwohl ihr das heimlich eigentlich anders seht. Viele Männer empfinden sich selber immer so als Helden, aber ich hab noch nie jemanden erlebt, der seinen Kumpels mal ernsthaft sagt “Hör auf mit dem Scheiß”, wenn die sich irgendwie über mich lustig gemacht haben und alle Männer in der Runde lachten. Traut euch doch mal, euch gegen die Gruppe zu stellen, wenn die was falsch machen. Nicht hinterher zu mir kommen und sagen “Du, ich fand das übrigens kacke, was der da vorhin gesagt hat, ich bin da nicht so”.

Wer in einer Beziehung lebt: “Helft” nicht im Haushalt und mit den Kindern, das alles gehört euch zu einem genau so großen Teil, wie der Partnerin. Wartet nicht auf Aufgaben, Termine, Anweisungen (sehr toller Comic dazu: https://krautreporter.de/1983-du-hattest-doch-bloss…)

Außerdem in Beziehungen: Sorgt für einen finanziellen Ausgleich. Bezahlt die Frau, wenn sie Kinder bekommt und darum aus dem Arbeitsleben fällt. Und damit meine ich nicht “Sie kriegt immer Geld, wenn sie fragt” sondern ich denke an drohende Altersarmut, speziell bei einer möglichen späteren Trennung. Legt zusammen Geld an, das ihre verlorenen Rentenansprüche ausgleicht und das sie auf jeden Fall bekommt, nicht nur, wenn ihr zusammen bleibt.

Sorgt für Sichtbarkeit, indem ihr, wenn ihr dran denkt, auch von der weiblichen Form redet, damit jüngere Frauen überhaupt auf die Idee kommen, dass es Ärztinnen, Physikerinnen oder Müllentsorgerinnen geben kann. Ich hab z.B. viele Berufe nie als Option gesehen, weil da nie jemand davon geredet hat, dass es ITlerinnen gibt. (Hier auch wieder: Haltet aus, solltet ihr dafür ausgelacht werden. Man gewöhnt sich dran und es fühlt sich fucking gut an, wenn man den eigenen Standpunkt durchgezogen hat)

Glaubt Frauen. Nicht erst, wenn der Typ, der Gina-Lisa Lohfink vergewaltigt hat, das zweite Mal wegen einer anderen Vergewaltigung vor Gericht steht, weil man Gina durch ihre Optik “irgendwie nicht glaubwürdig” fand. Glaubt ihnen auch, wenn der Abuser ein Held von euch ist, wie z.B. Ronaldo (der sogar schriftlich zugegeben hat, dass der vollzogene Analverkehr nicht einvernehmlich war). Nicht nur Männer verlieren Helden, die sich dann als nicht so heldenhaft herausstellen und für uns alle ist das manchmal dann schmerzhaft, aber Frauen nicht zu glauben ist mit Sicherheit für diese schmerzhafter – und trägt dazu bei, dass zukünftig noch weniger Menschen (jeden Geschlechts) Übergriffe melden werden. (aktuell werden geschätzt nur 5%- 15% angezeigt. https://www.frauen-gegen-gewalt.de/…/zahlen-und-fakten…)

Überlegt euch mal ganz realistisch, würdet ihr anzeigen, wenn ihr vergewaltigt worden wärt? Würdet ihr das öffentlich machen, im Fußballverein, im Kegelclub? Könntet ihr mit euren Schützenbrüdern über diese Gewalterfahrung reden, wenn sie euch zugestoßen wäre? Und wenn nein, was könnte man tun, damit das besser wird? Wie kann man selber jemand werden, mit dem man über so etwas reden kann, egal welches Geschlecht man hat? Und wenn man so jemand ist, wie kann man die Freunde animieren, auch so jemand zu werden? Redet ihr unter männlichen Freunden manchmal darüber, was ihr zusammen tun könntet, damit sich Frauen sicherer fühlen? Werdet offener untereinander, mit euren Freunden, damit wir offener zu euch sein können.

Interessiert euch. Findet raus, was die Pille alles für Nebenwirkungen hat und warum die Pille für den Mann wegen der GLEICHEN Nebenwirkungen nie zu Ende entwickelt wurde. Habt Mülleimer im Badezimmer, selbst wenn ihr in einem Haushalt ohne Menstruierende lebt (und für Fortgeschrittene: legt für Besucher:innen mit Menstruation im Bad ein paar Tampons mittlerer Größe bereit). Schlagt nach, wie die Klitoris wirklich aussieht. Warum Frauen öfter eine Blasenentzündung haben als Männer. Stellt euch vor, wie es wäre, wenn etwas in euch wächst, was ihr als etwas wahrnehmt, das da nicht sein soll und helft dann mit, niedrigschwelligen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen zu ermöglichen.

Wie gesagt, unvollständig, aber was ganz Wichtiges zum Schluss: Fühlt euch nicht angegriffen, wenn wir sowas sagen. Geht nicht in Abwehrhaltung. Ich sage nicht, Männer sind schlechte Menschen oder so ein Quatsch. Ich versuche, Sachen zu erklären, die man vielleicht aus männlicher Perspektive gar nicht bemerkt, weil es ja schon immer so war. Das ist nicht schlimm. Aber wenn ihr wirklich weiblich gelesene Menschen so toll findet, wie es das Gedicht sagt, dann “ehrt” nicht, sondern reflektiert, was von den aufgezählten Punkten in Zukunft zumindest versuchenswert ist. Davon hab ich am Ende viel mehr als nur von der Ehre.

Noch eine Ergänzung hier, die ich bei FB vergessen hab und die mir auch erst beim späteren Lesen auffiel: Niemand macht alles richtig. Ich habe hier zwischendurch kacke gegendert, bin unsicher, wann man besser Frauen oder besser “weiblich gelesene Menschen” sagt. Jeder verkackts, nicht nur Männer (hört hört). Darum soll man ja zuhören, Rat annehmen von Leuten, die was dazu zu sagen haben und versuchen, es das nächste Mal besser zu machen.