September 22

Ich schaff das schon

Screenshot von Rolf Zuckowski auf YouTube

…ich schaff das ganz (von) alleine

In meinem letzten Post, der ja schon einige Zeit her ist, hab ich über meine schlechte Phase geschrieben. Jetzt kann ich verkünden: Es geht mir besser! Und was ich damit sagen will: Es wird besser. Immer.

Gerade Menschen, die schon lange unter einer (psychischen) Krankheit leiden, erkennen ja früher oder später Muster bei sich. Und ein super wichtiges Muster, dass ich bei mir erkannt habe:

Alles ist eine Sinuskurve.

Sowas zu erkennen ist generell hilfreich – aber besonders hilfreich, wenn man es hinkriegt, sich daran zu erinnern, wenn es einem schlecht geht.

Das Wissen, dass es zwar gerade anstrengend und manchmal auch schlimm ist, aber wieder besser wird, hilft sehr, zu akzeptieren. Und wie viele von uns Kranken wissen – und auch die Gesunden, die diese Seite regelmäßig verfolgen – ist Akzeptanz eine sehr starke Waffe gegen Panikattacken.

Akzeptanz hilft dabei, dass die Last abfällt, der Druck verschwindet und man wenigstens eine Sorge weniger hat. Erfahrungsgemäß ist Hadern, dieses Hin und Her, besonders kräftezehrend. Wenn ich zum Beispiel gerne irgendwo hin fahren möchte, dann fange ich oft an, innerlich mit mir zu diskutieren, anstatt mich einfach für das Entweder oder das Oder zu entscheiden (hab mich gerade dazu entschlossen, ein Beispiel dafür als eigenen Beitrag zu machen – hier wurde es gerade ausufernd lang 😀 ). Eine Entscheidung würde alles leichter machen, Gewissheit bringen, mich beruhigen, aber ich treffe sie über Stunden nicht.

Gleiches Konzept, gleiche Wirkung, größere Bedeutung. Denn ja, mir ging es nicht gut, als ich das letzte Mal schrieb. Und ich fand es übrigens rückblickend voll wichtig, darüber zu schreiben; alleine das hat mir schon geholfen, obwohl ich nun wirklich KEINE

Das Schreiben hilft mir, mich auszudrücken, tröstet mich, wenn ich traurig bin, nährt mich, wenn ich hungrig bin,…

Quelle: Jede:r Autor:in dauernd

…Person bin. Dafür bin ich zu pragmatisch, glaube ich. Aber einmal ausgesprochen, kann man es nicht mehr zurück nehmen.

Ja, I know, ich kann’s löschen, shut up.

Ich hab’s ausgesprochen und keine:r hat gelacht, mich ausgegrenzt, mich in Watte gepackt oder irgendwas. Die häufigste Reaktion war btw “Ja, ich auch grad irgendwie”. Und wenn man es einmal sagt, kann man es noch mal sagen. Auch persönlich, virtuell oder in echt. Und wieder: Akzeptanz. Aufatmen. Das hat ein bisschen geholfen.

Tee trinken

Was aber vermutlich am meisten geholfen hat*: Abwarten und nicht den Kopf verlieren. So sehr ich wusste, dass es mir gerade schlecht geht, so sehr wusste ich auch, dass das einfach manchmal passiert. Und dass es dann irgendwann auch wieder gut wird. Und das ist es jetzt. Ich hab nicht nur wieder mehr Energie -die war tatsächlich gar nicht so verschwunden, ich hab sogar ziemlich viel geschafft in der Zeit- ich kann mich wieder freuen. Ich arbeite meine Tagesliste ab und bin am Abend richtig zufrieden mit mir, weiß, dass ich vorangekommen bin, fühle mich glücklich. Nee, nicht nur Abends, sondern den ganzen Tag. Selbst in Momenten, in denen ich mich unglücklich fühle, hat das wieder die altbekannte Qualität und Intensität und nicht mehr einfach nur Taubheit.

Also wer immer das heute/diese Woche/diesen Monat/dieses Jahr lesen muss: Es wird wieder besser. Du musst dich nicht irgendwie zusammenreißen, du musst nicht ENDLICH mal was dagegen tun, du musst gar nichts. Es wird irgendwann wieder besser und bis dahin achte noch mehr auf dich als du es sowieso solltest.

*Am vermutlich gleichmeisten hat übrigens geholfen: Hormonelle Verhütung absetzen. Pro-Tipp für Frauen.

Was mich aber wirklich fertig macht, ist, dass ich in intensivsten Corona-Zeiten nicht mitbekommen habe, dass Rolf Zuckowski Wohnzimmervideos veröffentlicht. Das nagt.